Klinische Studien am Forschungsstandort Deutschland
Editorial
Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
wie es scheint, läuft es für die Spanier: Nicht nur, dass sie uns bei der Fußball-Europameisterschaft besiegt haben, auch im Bereich klinischer Studien sind sie rasant an Deutschland vorbeigezogen. Dies war eines der Themen, die auf dem Expertentreffen „Das Medizinforschungsgesetz – Booster für klinische Studien in Deutschland?“ des House of Pharma verdeutlicht wurden. Hierfür war ich am 10. Juli zu Gast in Frankfurt.
Aber wie ist das jetzt mit dem Medizinforschungsgesetz (MFG)? Ist es eine Chance oder doch die berühmte Verschlimmbesserung? Wie ich gelernt habe, ist dies eine Frage der Betrachtungsweise. Während die Industrie im Allgemeinen eher die positiven Aspekte wie die Zentralisierung der Genehmigungsprozesse und die erhöhte Transparenz fokussiert, sieht das die Ethikkommission etwas kritischer. Was genau die Experten-Runde anprangert und was sie als positiv erachtet, verrät das Positionspapier der Veranstaltung, das voraussichtlich Anfang September erscheint.
In einem Punkt sind sich jedoch alle einig: Platz 7 im Länder-Ranking der Durchführung klinischer Studien ist nicht tragbar. Hier muss dringend etwas unternommen werden. Auch eine Änderung der Ranking-Grundlage – die Betrachtung im Verhältnis zu den Einwohnerzahlen – macht das Ganze nicht besser. Hier ist Dänemark der klare Sieger. Doch was wird dort anders gemacht? Ein spannender, wie simpler Gesichtspunkt ist für mich, dass sie Studienteilnehmer effektiver akquirieren. Das läuft augenscheinlich nicht nur über die versorgenden Ärzte besser, sondern auch über lokale wie nationale Werbekampagnen.
Jedoch ist das nur eine der vielen Hürden, die es zu meistern gilt. Ein zentraler Punkt sind die oft langwierigen Vertragsverhandlungen zwischen Sponsoren und klinischen Forschungszentren. Laut vfa-Umfrage von 2023 [1] vergehen hier in Deutschland zwischen 128 und 298 Tage. Schuld daran ist zum großen Teil die Komplexität der Verträge. Und wieder kommt Spanien um die Ecke und zeigt, dass es besser geht. Das Land glänzt mit einer Spanne zwischen 61 und 111 Tagen – zugegeben aber nur auf Platz 2, denn die Franzosen schaffen es sogar in nur 24 bis 76 Tagen. An diesem Punkt bietet das neue MFG einen Lösungsansatz, um Deutschland wieder wettbewerbsfähiger zu machen: Standardvertragsklauseln.
Wie genau diese Mustervertragsklauseln die Vertragsverhandlungen erleichtern, erfahren Sie im Beitrag „Beschleunigungshilfe für den Studienstandort Deutschland“ auf S. 598 in dieser Ausgabe.
Ich wünsche Ihnen nun viel Freude beim Lesen der aktuellen pharmind, die sich – wie Sie bestimmt festgestellt haben – ab sofort in neuem Gewand zeigt. Inhaltlich und qualitativ ist es noch immer „Ihre“ pharmind, nur nicht mehr ganz so „retro“… :-).
Gerne können Sie mir Ihr Feedback per Mail an lwohlrab@ecv.de senden.
Herzliche Grüße
Lara Wohlrab
Geschäftsführerin
Literatur
[1] | Verband Forschender Arzneimittelhersteller e. V. vfa-Umfrage: Lange Vertragsverhandlungen vor klinischen Studien in Deutschland. Berlin: vfa; 12. Juli 2023. https://www.vfa.de/de/arzneimittel-forschung/forschungsstandort-deutschland/vfa-umfrage-lange-vertragsverhandlungen-klinische-studien-deutschland |
Der Link wurde zuletzt abgerufen am 17. Juli 2024.